Giropay Geschichte - vom Start 2006 bis zur Abschaltung 2024

Giropay war nie der Star unter den Zahlungsmethoden. Es war eher der solide Verteidiger, der seinen Job zuverlässig machte, aber nie die Schlagzeilen bekam. Von seiner Gründung 2006 bis zur endgültigen Abschaltung 2024 hat Giropay knapp zwei Jahrzehnte lang Online-Überweisungen in Echtzeit ermöglicht – eine beachtliche Lebensspanne für ein Fintech-Produkt. Diese Geschichte ist es wert, erzählt zu werden, denn sie zeigt, warum gute Technik allein nicht reicht, um in einem hart umkämpften Markt zu bestehen.
2006 – Postbank, Sparkasse und die Idee hinter Giropay
Die Gründung von Giropay war eine Reaktion auf ein reales Problem. Die klassischen Überweisungen konnten den durch das Internet veränderten Anforderungen an den Zahlungsverkehr nicht mehr standhalten. Online-Shops brauchten sofortige Zahlungsbestätigungen, Kunden wollten nicht tagelang auf die Gutschrift warten, und die Banken sahen sich einer wachsenden Konkurrenz durch PayPal ausgesetzt, das 2004 nach Deutschland expandiert war.
Die Giropay GmbH wurde 2006 von Postbank, Sparkassen-Finanzgruppe und dem genossenschaftlichen Bankensektor gegründet. Die Idee war simpel: Ein Online-Bezahlverfahren, das die Sicherheit der Bankinfrastruktur mit der Geschwindigkeit des Internets verbindet. Giropay erreichte etwa 17 Millionen deutsche Online-Banking-Kunden und rund 60 % aller Geschäftsbankkonten. Die Abdeckung war beeindruckend, die Nutzung weniger.
Für den Sportwetten-Markt kam Giropay zu einer interessanten Zeit. Online-Sportwetten waren 2006 in Deutschland noch eine regulatorische Grauzone, und die meisten Wettanbieter operierten mit maltesischen oder gibraltarischen Lizenzen. Giropay bot diesen Anbietern eine Möglichkeit, deutsche Kunden direkt per Banküberweisung zu bedienen – schnell, sicher und mit Zahlungsgarantie. In den folgenden Jahren integrierten immer mehr Buchmacher Giropay in ihre Kassenbereiche.
Wachstum, eine Million Transaktionen und der Sportwetten-Markt
Im April 2020 überschritt Giropay erstmals die Grenze von einer Million Transaktionen pro Monat, mit einem Wachstum von 71 % gegenüber dem Vorjahr. Es war der Höhepunkt einer Entwicklung, die durch die COVID-Pandemie beschleunigt wurde – plötzlich kauften mehr Menschen online ein, und ein Zahlungssystem, das ohne zusätzliche Registrierung funktionierte, stieß auf großen Zuspruch. Die Giropay GmbH kommentierte damals: Das System profitiere davon, dass viele Menschen mehr Zeit zuhause verbringen und verstärkt im Internet einkaufen.
Im Jahr 2022 stieg Giropay im E-Commerce von 0,4 % auf 1,6 % Umsatzanteil und zählte kurzzeitig zu den Aufsteigern. Es war ein Lichtblick, der Hoffnung machte – aber er hielt nicht. Der Anstieg war vor allem pandemiegetrieben, und als sich das Einkaufsverhalten nach 2022 wieder normalisierte, ging auch der Giropay-Anteil zurück.
Im Sportwetten-Bereich war Giropay nie ein Massenprodukt. Die meisten Wetter nutzten PayPal oder Kreditkarten, und Banking-Methoden hatten insgesamt einen einstelligen Marktanteil. Aber für eine treue Nische von Kunden, die Wert auf direkte Bankanbindung ohne Drittanbieterkonto legten, war Giropay die bevorzugte Wahl. Diese Nische war klein, aber loyal.
Marktanteil, Paydirekt-Fusion und das Ende
Die letzten Jahre von Giropay waren geprägt von einem verzweifelten Versuch, durch Zusammenschlüsse an Relevanz zu gewinnen. 2021 wurden Giropay, Paydirekt und Kwitt unter dem Dach der Paydirekt GmbH zusammengelegt. Das Ziel: Kräfte bündeln, PayPal herausfordern, den deutschen Zahlungsverkehr revolutionieren. Das Ergebnis: Im Jahr 2023 wurden lediglich knapp 25 Millionen Transaktionen über Giropay abgewickelt, das Zahlungsvolumen betrug rund 1,6 Milliarden Euro. Der Marktanteil im E-Commerce fiel zurück auf 0,4 %.
Die Markenbekanntheit von Giropay lag in Deutschland bei 78 % – hinter PayPal (95 %), Klarna (85 %), PAYBACK PAY (83 %) und Amazon Pay (80 %). Bekannt, aber nicht genutzt – das war das fundamentale Problem. Die Leute wussten, was Giropay ist, aber sie wählten es nicht. Rund 4 Millionen Nutzer erhielten Kündigungsschreiben, als das Ende kam – zum 31. Dezember 2024 wurde Giropay endgültig eingestellt.
Für den Sportwetten-Markt war das Ende leise. Kein Aufschrei, kein Umbruch, kein Vakuum. Die Wettanbieter hatten längst Alternativen integriert, und die wenigen verbliebenen Giropay-Nutzer wechselten zu EPS, Trustly oder PayPal. Was von Giropay bleibt, ist eine Lektion über den Zahlungsmarkt: Technische Exzellenz und hohe Bekanntheit reichen nicht, wenn das Produkt nicht das bietet, was die Konkurrenz besser kann. Die Einzahlung per Giropay war hervorragend – aber ein halbes Produkt, das keine Auszahlungen bot, keine App hatte und mobil umständlich war, konnte gegen vollständige Lösungen nicht bestehen.
Wer hat Giropay gegründet und warum?
Giropay wurde 2006 von der Postbank, der Sparkassen-Finanzgruppe und dem genossenschaftlichen Bankensektor gegründet. Der Anlass war die wachsende Konkurrenz durch PayPal und die Notwendigkeit, Online-Zahlungen in Echtzeit zu ermöglichen, weil klassische Banküberweisungen für den E-Commerce zu langsam waren.
Wie viele Transaktionen hat Giropay zu Spitzenzeiten abgewickelt?
Im April 2020 überschritt Giropay erstmals eine Million Transaktionen pro Monat, mit einem Wachstum von 71 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser Höhepunkt war pandemiegetrieben. Im Jahr 2023, dem letzten vollen Betriebsjahr, wurden insgesamt knapp 25 Millionen Transaktionen abgewickelt.