European Payments Initiative und Sportwetten - was EPI für Wetter bedeutet

Hinter dem sperrigen Namen „European Payments Initiative“ verbirgt sich der ehrgeizigste Versuch europäischer Banken seit Jahrzehnten, ein eigenes Zahlungssystem gegen die Dominanz amerikanischer Anbieter zu etablieren. EPI ist die Organisation hinter Wero – dem Dienst, der langfristig das werden soll, was Giropay nie geschafft hat: eine flächendeckende europäische Zahlungslösung. Für Sportwetter ist EPI derzeit noch irrelevant, aber das wird sich ändern. Die Frage ist nur: wann und wie.
Was die European Payments Initiative will
EPI wurde mit einer klaren Mission gegründet: ein europäisches Zahlungssystem schaffen, das unabhängig von amerikanischen Kartennetzen (Visa, Mastercard) und Plattformen (PayPal) funktioniert. Wero wird von 16 europäischen Finanzdienstleistern getragen, darunter Deutsche Bank, DZ Bank, BNP Paribas und Société Générale. Das ist keine Startup-Idee – das ist ein Konsortium der größten Banken Europas, das den Zahlungsverkehr grundlegend umgestalten will.
Joachim Schmalzl, Vorstandsmitglied des DSGV und EPI-Aufsichtsratsvorsitzender, formulierte die Ambition so: Der Aufbau eines neuen Zahlungssystems brauche Zeit, man müsse Vertrauen und Akzeptanz gewinnen – das hätten sich auch andere erfolgreiche Anbieter erst über Jahre erarbeiten müssen. In dieser Aussage steckt sowohl Realismus als auch Selbstbewusstsein. Die EPI-Verantwortlichen wissen, dass sie einen Marathon laufen, keinen Sprint.
Die Vision geht weit über eine einfache Zahlungs-App hinaus. Wero soll langfristig Person-zu-Person-Überweisungen, E-Commerce-Zahlungen, Point-of-Sale-Zahlungen im stationären Handel und perspektivisch auch Ratenzahlungen und Identifikationsdienste abdecken. Wenn dieses Programm vollständig umgesetzt wird, hätte Europa erstmals ein eigenes, unabhängiges Zahlungssystem, das den gesamten Zahlungskreislauf eines Konsumenten abdeckt – vom Geld an den Freund schicken über das Brötchen beim Bäcker bis zur Sportwetten-Einzahlung.
Wer hinter EPI steht – Banken und Länder
Die Zusammensetzung des EPI-Konsortiums ist bemerkenswert. Es sind nicht die üblichen Fintech-Startups, sondern die etablierten Großbanken Europas. Neben den deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind auch französische Schwergewichte wie BNP Paribas und Société Générale beteiligt, dazu belgische und niederländische Institute. Das gibt EPI eine finanzielle und politische Schlagkraft, die Giropay nie hatte.
In Österreich ist Raiffeisen Bank International seit dem 26. November 2025 offizielles EPI-Mitglied und ermöglicht Händlern ab 2026 die Akzeptanz von Wero im E-Commerce. Das ist für den österreichischen Markt ein wichtiger Schritt, denn Raiffeisen ist eine der größten Bankengruppen des Landes. Wenn Raiffeisen-Kunden künftig per Wero zahlen können, erreicht das System auf einen Schlag einen signifikanten Teil der österreichischen Bankkundschaft.
Die Frage, die ich oft von österreichischen Sportwettern höre: Werden andere österreichische Banken nachziehen? Darauf gibt es noch keine definitive Antwort. Erste Bank, Bank Austria und BAWAG haben sich bisher nicht öffentlich zum EPI-Beitritt geäußert. Aber der Raiffeisen-Beitritt setzt ein Signal, das schwer zu ignorieren ist. Wenn ein großer Player einsteigt, erhöht sich der Druck auf die anderen.
Was EPI für den Sportwetten-Zahlungsverkehr bedeutet
Für den Sportwetten-Markt ist EPI eine langfristige Geschichte, keine kurzfristige Lösung. Stand 2026 ist Wero bei keinem Wettanbieter als Zahlungsmethode verfügbar. Aber wenn ich zwölf Jahre im Zahlungsmarkt eines gelernt habe, dann dieses: Zahlungssysteme, die von den großen Banken getragen werden, setzen sich langfristig durch – vorausgesetzt, sie bieten dem Kunden einen echten Mehrwert.
Schmalzl selbst sagte: „Es ist ein Marathon, kein Sprint – und wir sind gut im Rennen.“ Für Sportwetter bedeutet das: Erwarte nichts von Wero vor 2028 im Wettbereich, aber unterschätze das System nicht. Wenn Wero die E-Commerce-Integration erfolgreich abschließt und die Compliance-Anforderungen für Glücksspiel erfüllt, könnte es langfristig zur bevorzugten Banking-Methode bei Sportwetten werden – in ganz Europa, nicht nur in einem einzelnen Land.
Der entscheidende Vorteil gegenüber dem gescheiterten Giropay: EPI denkt von Anfang an europäisch. Giropay war ein deutsches Produkt, das über die EPS-Fusion zaghaft nach Österreich expandierte. Wero soll in Frankreich, Deutschland, den Benelux-Ländern und perspektivisch in ganz Europa funktionieren. Für Sportwetter, die bei international lizenzierten Anbietern spielen, wäre ein paneuropäisches Zahlungssystem ein echter Fortschritt – keine Länderbeschränkungen, keine Währungsprobleme, eine Methode für alle Wettanbieter in Europa.
Ist EPI dasselbe wie Wero?
Nicht ganz. EPI – die European Payments Initiative – ist die Organisation, die das Zahlungssystem betreibt. Wero ist der konsumentenorientierte Dienst, also das Produkt, das du als Kunde nutzen wirst. EPI ist der Betreiber, Wero ist die Marke. Vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen einem Fernsehsender und seiner Sendung.
Welche österreichischen Banken gehören zur European Payments Initiative?
Raiffeisen Bank International ist seit November 2025 offizielles EPI-Mitglied. Andere große österreichische Banken wie Erste Bank, Bank Austria und BAWAG haben sich bisher nicht öffentlich zum EPI-Beitritt bekannt. Es ist aber wahrscheinlich, dass weitere Banken folgen werden, sobald Wero im österreichischen E-Commerce an Fahrt gewinnt.