EPS und Giropay - Unterschiede und die gemeinsame Vergangenheit

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EPS und Giropay waren Geschwister – geboren in verschiedenen Ländern, mit ähnlichen Genen, aber unterschiedlichen Schicksalen. Beide Systeme boten Online-Banking-Überweisungen in Echtzeit an, beide liefen über die jeweilige nationale Bankinfrastruktur, und 2014 fusionierten sie sogar für grenzüberschreitende Zahlungen. Trotzdem hat EPS überlebt, während Giropay Ende 2024 abgeschaltet wurde. Die Gründe für dieses unterschiedliche Schicksal verraten viel über die Dynamik des europäischen Zahlungsmarktes.
Technische Unterschiede zwischen EPS und Giropay
Auf den ersten Blick machten EPS und Giropay dasselbe: eine Überweisung von deinem Bankkonto an einen Online-Händler, in Echtzeit, mit TAN-Bestätigung. Aber unter der Oberfläche gab es relevante technische Unterschiede, die ich in meiner langjährigen Arbeit mit beiden Systemen immer wieder beobachtet habe.
EPS – Electronic Payment Standard – wurde von den österreichischen Banken als offenes Zahlungssystem konzipiert. Es nutzt die bestehende Banking-Infrastruktur und ist technisch ein standardisiertes Protokoll für Online-Überweisungen. Jede teilnehmende Bank implementiert die EPS-Schnittstelle in ihr eigenes Online-Banking-System. EPS wird von über 80 % aller in Österreich tätigen E-Commerce-Shops als Zahlungsoption unterstützt und hat sich als de-facto-Standard für Online-Banking-Zahlungen in Österreich etabliert.
Giropay war stärker zentralisiert. Die Giropay GmbH betrieb eine zentrale Plattform, über die alle Transaktionen liefen. Teilnehmende Banken mussten sich an das Giropay-System anbinden, was einen höheren Integrationsaufwand bedeutete. Diese Zentralisierung hatte Vorteile – einheitliche Nutzererfahrung, einfachere Zahlungsgarantie – aber auch Nachteile: Banken, die den Aufwand scheuten, nahmen nicht teil. Giropay erreichte etwa 17 Millionen deutsche Online-Banking-Kunden und rund 60 % aller Geschäftsbankkonten – das klingt viel, war aber eben nicht die volle Abdeckung.
Ein weiterer technischer Unterschied: EPS ist in Österreich die offizielle Zahlungsoption für Behördengebühren. Wenn du in Österreich eine Amtshandlung online bezahlst, geschieht das per EPS. Diese staatliche Verankerung gibt EPS eine Legitimität und Sichtbarkeit, die Giropay in Deutschland nie hatte. Giropay war ein privates Produkt der Banken, EPS ist quasi-öffentliche Infrastruktur.
Die Fusion 2014 – grenzüberschreitendes Zahlen
2014 passierte etwas Ungewöhnliches: Zwei nationale Zahlungssysteme fusionierten, um grenzüberschreitende Zahlungen zu ermöglichen. Die Systeme von Giropay und EPS in Österreich wurden zusammengelegt, sodass Händler die Möglichkeit hatten, Kunden aus Deutschland und aus Österreich zu akzeptieren. Ein deutscher Online-Shop mit Giropay konnte plötzlich auch österreichische EPS-Kunden bedienen, und umgekehrt.
Für Sportwetter hatte das eine praktische Bedeutung: Ein Wettanbieter, der Giropay integriert hatte, konnte über dieselbe Schnittstelle auch EPS-Zahlungen von österreichischen Kunden entgegennehmen. Das senkte die Integrationskosten für Buchmacher, die beide Märkte bedienen wollten, und erweiterte die Reichweite beider Systeme.
Allerdings blieb die Fusion an der Oberfläche. EPS und Giropay behielten ihre jeweiligen technischen Architekturen, ihre eigenen Bankpartnerschaften und ihre getrennten Nutzerbasen. Die „Fusion“ war eher eine gegenseitige Anerkennung als eine echte technische Verschmelzung. Ein österreichischer EPS-Nutzer konnte bei einem deutschen Giropay-Händler zahlen, aber die Transaktion wurde im Hintergrund von beiden Systemen getrennt verarbeitet. Der Effekt auf den Sportwetten-Markt war moderat – die meisten internationalen Wettanbieter hatten ohnehin beide Systeme separat integriert, und die grenzüberschreitende Funktion war eher ein Bonus als ein Kernfeature.
Was die Fusion für den einzelnen Sportwetter konkret bedeutete: Wenn du als Österreicher bei einem Wettanbieter spielen wolltest, der nur Giropay, aber kein EPS anbot, konntest du trotzdem per EPS einzahlen. Der Wettanbieter musste nur Giropay integriert haben, und die EPS-Zahlung wurde über die Giropay-Schnittstelle abgewickelt. In der Praxis kam das selten vor, weil die meisten Anbieter beide Systeme separat anboten. Aber für die wenigen Fälle, in denen es relevant war, war die Fusion ein nützlicher Nebeneffekt.
Warum EPS überlebt hat und Giropay nicht
Diese Frage hat mich seit der Giropay-Abschaltung beschäftigt, und ich glaube, die Antwort liegt in drei Faktoren.
Erstens: die Marktposition. EPS hat in Österreich keine vergleichbare Konkurrenz durch ein nationales E-Wallet oder Bezahlsystem. PayPal ist international, Klarna ist schwedisch – EPS ist das einzige wirklich österreichische Online-Zahlungssystem. In Deutschland war das anders: Giropay konkurrierte direkt mit PayPal, Klarna, Paydirekt und diversen anderen Methoden. Der deutsche Markt war fragmentiert, der österreichische nicht. Giropay wurde zum 31. Dezember 2024 endgültig eingestellt, während EPS unverändert weiterbesteht.
Zweitens: die institutionelle Verankerung. EPS ist nicht nur eine Zahlungsmethode – es ist Infrastruktur. Die Verwendung für Behördengebühren, die Unterstützung durch praktisch alle österreichischen Banken, die Integration in das tägliche Finanzleben der Österreicher – all das gibt EPS eine Stabilität, die Giropay fehlte. Giropay war ein optionales Zusatzprodukt, EPS ist ein fester Bestandteil des österreichischen Zahlungsverkehrs.
Drittens: die richtige Größe. Österreich ist ein kleinerer Markt als Deutschland, und EPS bedient diesen Markt vollständig. Es braucht keine internationale Expansion, keine Millioneninvestitionen in Marketing, keine Konkurrenz mit globalen Playern. EPS ist für Österreich, und für Österreich funktioniert EPS bei Sportwetten hervorragend. Giropay versuchte, in einem viel größeren und härter umkämpften Markt zu bestehen – und scheiterte an Playern, die einfach mehr boten.
Sind EPS und Giropay technisch dasselbe System?
Nein. EPS und Giropay waren technisch eigenständige Systeme mit getrennten Architekturen. Seit 2014 konnten sie grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Deutschland und Österreich verarbeiten, aber die technische Infrastruktur blieb getrennt. EPS läuft über die österreichische Bankinfrastruktur, Giropay lief über ein zentrales deutsches System.
Funktioniert EPS nach der Giropay-Abschaltung noch normal?
Ja, uneingeschränkt. Die Abschaltung von Giropay zum 31. Dezember 2024 hat auf EPS keine Auswirkung. EPS ist ein eigenständiges System und funktioniert in Österreich wie gewohnt. Lediglich die grenzüberschreitende Zahlungsmöglichkeit zwischen EPS und Giropay existiert nicht mehr, da Giropay nicht mehr existiert.