Giropay eingestellt - was das für deine Sportwetten bedeutet

Leerer Bildschirm eines Smartphones mit einem durchgestrichenen Giropay-Logo auf einem Schreibtisch neben einer Sportwetten-Kasse

Ladevorgang...

Am 31. Dezember 2024 ging ein Stück deutscher Fintech-Geschichte leise zu Ende. Giropay, das Online-Banking-Zahlungssystem, das seit 2006 Millionen von Transaktionen abwickelte, wurde endgültig abgeschaltet. Für Sportwetten-Kunden kam das überraschend – denn die meisten Wettanbieter hatten den Dienst bis zuletzt in ihrer Zahlungsliste geführt, ohne ein Wort über das bevorstehende Ende zu verlieren.

Ich beobachte den Zahlungsverkehr im Wettmarkt seit über zwölf Jahren, und was mich an dieser Abschaltung am meisten überrascht hat, war nicht das Ende selbst. Es war die Stille danach. Kein Wettanbieter hat seine Kunden aktiv informiert. Keine E-Mail, kein Banner, kein Hinweis im Kassenbereich. Wer im Januar 2025 versuchte, per Giropay einzuzahlen, stand schlicht vor einer leeren Stelle im Zahlungsmenü.

Rund 4 Millionen Nutzer erhielten zwar Kündigungsschreiben von der Paydirekt GmbH, dem Betreiber hinter Giropay. Aber die Verbindung zwischen diesem Brief und dem eigenen Wettkonto haben die wenigsten hergestellt. Die meisten Sportwetten-Kunden wussten nicht einmal, dass Giropay und Paydirekt zum selben Unternehmen gehörten. Dieser Artikel erklärt, was tatsächlich passiert ist, wie Wettanbieter auf die Situation reagiert haben und welche drei Methoden du sofort nutzen kannst.

Was mit deinem Giropay-Konto passiert ist

Vielleicht hast du dich gewundert, warum dein Giropay-Zugang plötzlich nicht mehr funktioniert. Oder du hast den Wechsel gar nicht bemerkt, weil du sowieso selten per Online-Banking eingezahlt hast. In beiden Fällen lohnt sich ein Blick auf die Hintergründe.

Giropay war kein eigenständiges Konto – es war eine Schnittstelle zwischen deiner Hausbank und dem Zahlungsempfänger. Wenn du per Giropay bei einem Wettanbieter eingezahlt hast, hat Giropay lediglich die Kommunikation zwischen deinem Online-Banking und dem Buchmacher vermittelt. Die Transaktion lief über dein normales Bankkonto, Giropay war der Vermittler. Das bedeutet: Es gibt kein „Giropay-Guthaben“, das irgendwo verloren gegangen wäre. Dein Geld lag immer auf deinem Bankkonto, und dort liegt es auch jetzt noch.

Die Paydirekt GmbH, die Giropay zuletzt betrieb, wird im Laufe von 2025 abgewickelt. Das betrifft auch die Marken Paydirekt und Kwitt, die 2021 unter einem Dach zusammengeführt wurden. Bereits abgeschlossene Transaktionen sind davon nicht betroffen – wenn du vor dem 31. Dezember 2024 eine Einzahlung per Giropay getätigt hast, wurde diese ganz normal verarbeitet. Es gibt keine offenen Posten oder hängenden Überweisungen.

Was allerdings wegfällt, ist die automatische Altersverifikation über Giropay ID. Einige Wettanbieter hatten diesen Dienst genutzt, um das Alter neuer Kunden direkt über die Bank zu bestätigen. Diese Möglichkeit existiert nicht mehr, was für manche Anbieter einen zusätzlichen Aufwand bei der KYC-Prüfung bedeutet. Konkret heißt das: Wenn du dich bei einem neuen Wettanbieter registrierst, kann es sein, dass du deine Identität manuell nachweisen musst – etwa durch das Hochladen eines Ausweisdokuments oder per Video-Ident-Verfahren. Früher konnte Giropay ID diesen Schritt automatisieren, weil die Bank deine Identität bereits kannte. Dieser Komfort ist ersatzlos weggefallen, und bisher hat kein Nachfolgesystem diese Funktion übernommen.

So haben Wettanbieter auf die Abschaltung reagiert

Ich habe mir im Februar 2025 die Kassenbereiche von über zwanzig Wettanbietern angesehen, die zuvor Giropay akzeptiert hatten. Das Ergebnis war ernüchternd und aufschlussreich zugleich.

Die meisten Anbieter haben Giropay einfach aus der Liste entfernt – ohne Erklärung, ohne Hinweis auf Alternativen. Bei einigen wenigen erscheint noch ein grau hinterlegter Button, der beim Anklicken eine generische Fehlermeldung zeigt. Kein einziger Anbieter, den ich geprüft habe, hatte zum Zeitpunkt meiner Recherche einen aktiven Hinweis auf die Abschaltung oder eine Empfehlung für eine Ersatzmethode im Kassenbereich platziert.

Das ist bezeichnend, wenn man bedenkt, dass Giropay im deutschen E-Commerce zuletzt nur noch 0,4 % Umsatzanteil hatte. Für die Wettanbieter war der Verlust von Giropay schlicht kein großes Thema – zu wenige Kunden nutzten den Dienst noch aktiv. Die Nachrichtenagentur dpa fasste es nüchtern zusammen: Giropay habe die hohen Erwartungen als PayPal-Konkurrent nie erfüllt.

Für österreichische Wetter hat die Abschaltung eine besondere Note. Giropay war über die Fusion mit EPS seit 2014 auch für grenzüberschreitende Zahlungen relevant. Diese Brücke existiert nicht mehr – aber EPS selbst funktioniert in Österreich weiterhin uneingeschränkt. Wer also schon vorher EPS genutzt hat, merkt von der Giropay-Abschaltung praktisch nichts.

Interessant ist auch, was nicht passiert ist: Kein Wettanbieter hat die Lücke genutzt, um aktiv auf seinen Kundenservice hinzuweisen oder gezielt eine Ersatzmethode zu bewerben. Die Branche hat die Abschaltung behandelt wie einen technischen Wartungsvorgang – leise, unauffällig, und mit der Hoffnung, dass niemand es bemerkt. Für Kunden, die regelmäßig per Giropay eingezahlt haben, war das frustrierend. Für den Markt insgesamt war es ein weiteres Zeichen dafür, wie gering die Bedeutung von Giropay im Wettsektor zuletzt war.

Drei Zahlungsmethoden, die sofort funktionieren

Genug Rückblick. Wenn du bisher Giropay für deine Sportwetten-Einzahlungen verwendet hast, brauchst du jetzt eine funktionierende Alternative. Hier sind drei Methoden, die ich aus meiner täglichen Arbeit im Zahlungsbereich empfehlen kann – nicht weil sie perfekt sind, sondern weil sie nachweislich bei den meisten Wettanbietern funktionieren und für österreichische Kunden verfügbar sind.

Die erste und naheliegendste Option für österreichische Wetter ist EPS. Das Electronic Payment Standard funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Giropay: Du wirst von der Wettanbieter-Kasse zu deinem Online-Banking weitergeleitet, bestätigst die Zahlung per TAN, und das Geld ist sofort auf deinem Wettkonto. EPS wird von über 80 % der österreichischen E-Commerce-Shops unterstützt und deckt praktisch alle Banken im Land ab. Der Umstieg von Giropay auf EPS ist für Österreicher kein Umstieg – es ist eine Rückkehr zum lokalen Standard.

Die zweite Option ist Trustly. Der schwedische Zahlungsdienstleister funktioniert ähnlich wie Giropay und EPS, erfordert aber keine separate Registrierung. Du wählst einfach deine Bank aus, meldest dich mit deinen Online-Banking-Daten an und bestätigst die Zahlung. Trustly hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem alten Giropay: Es funktioniert auch für Auszahlungen. Das war bei Giropay technisch nie möglich. Bei Trustly kannst du dir deine Gewinne direkt auf dein Bankkonto auszahlen lassen – oft innerhalb von 24 Stunden.

Die dritte Option ist PayPal. Ja, PayPal ist keine Banking-Methode im engeren Sinne, aber es ist der Platzhirsch unter den Online-Zahlungsmethoden bei Wettanbietern. Mit 35 Millionen aktiven Kundenkonten allein in Deutschland ist PayPal dort, wo Giropay nie hinkam. Die Einzahlung ist sofort, die Auszahlung funktioniert, und die allermeisten Wettanbieter akzeptieren PayPal. Der Nachteil: Du brauchst ein separates Konto, und PayPal kennt jeden deiner Zahlungsvorgänge – anders als bei einer direkten Banküberweisung gibt es hier einen zusätzlichen Datenmittler. Wer das nicht möchte, ist mit EPS oder Trustly besser bedient.

Welche der drei Methoden am besten zu deinem Wettverhalten passt, hängt von deinen Prioritäten ab. Wer Wert auf die schnellste Giropay-Alternative bei Sportwetten legt und in Österreich lebt, fährt mit EPS am unkompliziertesten.

Werden bereits getätigte Giropay-Einzahlungen noch bearbeitet?

Alle Transaktionen, die vor dem 31. Dezember 2024 über Giropay ausgelöst wurden, wurden vollständig verarbeitet. Es gibt keine offenen oder hängenden Zahlungen. Dein Geld lag zu keinem Zeitpunkt bei Giropay selbst, sondern wurde direkt zwischen deinem Bankkonto und dem Wettanbieter transferiert.

Muss ich mich bei meinem Wettanbieter neu verifizieren?

In den meisten Fällen nicht. Die Verifizierung deines Wettkontos ist unabhängig von der Zahlungsmethode. Wenn du bereits verifiziert bist, bleibt das bestehen. Nur wenn du zuvor Giropay ID für die Altersverifikation genutzt hast und der Anbieter diese Prüfung wiederholen möchte, kann eine erneute Identitätsprüfung nötig sein – das betrifft aber nur wenige Einzelfälle.