Giropay Marktanteil im E-Commerce - vom Hoffnungsträger zum Schlusslicht

Updated Juli 2026
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Abwärtstrend-Diagramm auf einem Bildschirm als Symbol für den sinkenden Giropay-Marktanteil

0,4 %. Das war der Umsatzanteil von Giropay im deutschen E-Commerce im Jahr 2023 – ein Bruchteil, der kaum als Rundungsfehler durchgehen würde. Zwei Jahre zuvor war Giropay noch auf 1,6 % geklettert und galt kurzzeitig als Aufsteiger. Wie ein Zahlungssystem in so kurzer Zeit vom Hoffnungsträger zum Schlusslicht werden kann, ist eine Geschichte, die jeder Sportwetter kennen sollte – denn sie erklärt, warum manche Zahlungsmethoden bleiben und andere verschwinden.

Die Marktanteile von Giropay im Zeitverlauf

Die Zahlen erzählen eine klare Geschichte. Giropay hatte im deutschen E-Commerce nie einen hohen Marktanteil – die Spitzenwerte lagen im niedrigen einstelligen Bereich. Aber die Richtung der Entwicklung war aufschlussreich.

Im Jahr 2022 stieg Giropay im E-Commerce von 0,4 % auf 1,6 % Umsatzanteil und zählte kurzzeitig zu den Aufsteigern – ein Wachstum, das vor allem der COVID-Pandemie und dem damit verbundenen Online-Shopping-Boom zu verdanken war. Mehr Menschen kauften online ein, und manche davon entdeckten Giropay als unkomplizierte Zahlungsmethode ohne Registrierung. Aber der Anstieg war ein Strohfeuer. Als sich das Einkaufsverhalten nach der Pandemie normalisierte, fiel der Anteil zurück auf 0,4 %.

Im deutschen E-Commerce betrug der Nettoumsatz 2023 gut 85 Milliarden Euro. Giropays Anteil daran war minimal – knapp 25 Millionen Transaktionen mit einem Volumen von rund 1,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: PayPal verarbeitete ein Vielfaches dieses Volumens allein in Deutschland. Die Lücke zwischen den beiden war nicht nur groß – sie war unüberbrückbar.

Was die Zahlen besonders bitter machte: Giropay war gut bekannt. Die Markenbekanntheit lag bei 78 %, hinter PayPal (95 %), Klarna (85 %), PAYBACK PAY (83 %) und Amazon Pay (80 %). Die Leute kannten Giropay – sie nutzten es nur nicht. Das ist das schlimmste Ergebnis, das ein Produkt haben kann: hohe Bekanntheit bei minimaler Nutzung. Es bedeutet, dass die Entscheidung gegen Giropay bewusst war, nicht aus Unwissenheit.

Warum Giropay gegenüber PayPal und Klarna verlor

Die Nachrichtenagentur dpa brachte es auf den Punkt: Giropay habe die hohen Erwartungen als PayPal-Konkurrent nie erfüllt. Aber warum nicht? Die Technik funktionierte, die Sicherheit war erstklassig, die Gebühren für Händler waren niedriger als bei PayPal. Was fehlte?

Erstens: das Gesamtpaket. Giropay konnte nur eine Sache – Online-Überweisungen. PayPal bot Käuferschutz, Ein-Klick-Zahlung, mobile App, Ratenzahlung, internationale Akzeptanz und ein eigenes Konto mit Guthaben. Klarna bot Rechnungskauf, Ratenzahlung, eine Shopping-App und eine eigene Debitkarte. Giropay bot eine Überweisung. In einem Markt, in dem Zahlungsanbieter zu Lifestyle-Plattformen werden, war ein reines Überweisungsprodukt nicht wettbewerbsfähig.

Zweitens: die fehlende Auszahlung. Giropay funktionierte nur in eine Richtung – vom Kunden zum Händler. Eine Rückzahlung oder Gutschrift per Giropay war technisch nicht möglich. Das war im allgemeinen E-Commerce ein Nachteil, weil Retouren und Rückerstattungen umständlicher wurden. Im Sportwetten-Bereich war es ein fundamentales Problem, weil Wetter ihre Gewinne nicht per Giropay abheben konnten. PayPal kommt allein in Deutschland auf 35 Millionen aktive Kundenkonten – und jedes davon kann Ein- und Auszahlungen verarbeiten.

Drittens: die mobile Schwäche. Giropay hatte keine eigene App und funktionierte am Smartphone nur über den Umweg der Banking-App. In einer Zeit, in der mobile Geräte rund 58 % der Online-Gambling-Einnahmen in Europa generieren, war das ein entscheidender Nachteil. PayPal und Klarna boten native Apps mit biometrischer Authentifizierung – Giropay nicht.

Was der E-Commerce-Niedergang für Sportwetten bedeutete

Der sinkende Marktanteil im allgemeinen E-Commerce hatte direkte Auswirkungen auf den Sportwetten-Bereich. Wenn ein Zahlungssystem im Kernmarkt schrumpft, verliert es auch in den Nischenmärkten an Relevanz. Wettanbieter beobachten die E-Commerce-Trends genau, weil sie Rückschlüsse auf die Kundenpräferenzen erlauben. Ein Zahlungssystem, das im E-Commerce wächst, wird von den Buchmachern aktiv beworben. Eines, das schrumpft, wird nach und nach aus dem Kassenbereich entfernt.

Im Jahr 2023 wurden über Giropay nur noch knapp 25 Millionen Transaktionen abgewickelt – ein Volumen, das sich auf den gesamten E-Commerce verteilte. Der Sportwetten-Anteil daran dürfte im niedrigen einstelligen Bereich gelegen haben. Für die Wettanbieter bedeutete das: Die Kosten für die Giropay-Integration überstiegen den Nutzen. Manche Anbieter haben Giropay deshalb schon vor der offiziellen Abschaltung aus ihrem Programm genommen.

Die Lehre für den aktuellen Markt: Zahlungsmethoden mit geringem E-Commerce-Anteil haben auch bei Sportwetten eine unsichere Zukunft. Wer sich auf eine Nischenmethode verlässt, riskiert, dass sie eines Tages abgeschaltet oder von den Wettanbietern nicht mehr unterstützt wird. Die sicherste Wahl sind Methoden mit breiter Marktakzeptanz – EPS in Österreich, PayPal international, Trustly als europäische Alternative zur ehemaligen Giropay-Einzahlung. Diese Systeme haben die kritische Masse erreicht, die Giropay nie hatte.

Welchen Marktanteil hatte Giropay zuletzt im E-Commerce?

Im Jahr 2023 lag der Umsatzanteil von Giropay im deutschen E-Commerce bei 0,4 %. Ein Jahr zuvor war er kurzzeitig auf 1,6 % gestiegen, fiel aber schnell zurück. Die knapp 25 Millionen Transaktionen und das Volumen von 1,6 Milliarden Euro standen einem E-Commerce-Gesamtmarkt von über 85 Milliarden Euro gegenüber.

War Giropay bei Sportwetten beliebter als im allgemeinen E-Commerce?

Dafür gibt es keine belastbaren Zahlen, aber die Indizien sprechen dagegen. Der Sportwetten-Anteil an den Giropay-Transaktionen war klein, und die meisten Wettkunden nutzten PayPal, Kreditkarten oder lokale Methoden wie EPS. Giropay war bei Sportwetten eine Nischenoption, genau wie im allgemeinen E-Commerce.