Giropay und Paydirekt bei Sportwetten - Geschichte einer gescheiterten Fusion

Drei zerbrochene Puzzleteile auf einem Schreibtisch als Symbol für die gescheiterte Fusion von Giropay, Paydirekt und Kwitt

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Drei Marken, ein Ziel, null Erfolg. Die Geschichte von Giropay, Paydirekt und Kwitt ist eine Lehrstunde darüber, wie man aus drei mittelmäßigen Produkten kein gutes macht. 2021 wurden die drei Zahlungsdienste unter dem Dach der Paydirekt GmbH zusammengelegt – mit dem ehrgeizigen Ziel, eine deutsche Alternative zu PayPal zu schaffen. Drei Jahre später waren alle drei abgeschaltet. Im Jahr 2023 wurden über das vereinte System lediglich knapp 25 Millionen Transaktionen abgewickelt, das Zahlungsvolumen betrug rund 1,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: PayPal verarbeitet dieses Volumen in wenigen Tagen.

Paydirekt + Giropay + Kwitt – drei Marken, ein Scheitern

Um das Scheitern zu verstehen, muss man bei den Anfängen beginnen. Paydirekt wurde 2015 von den deutschen Banken und Sparkassen als Online-Bezahlverfahren gestartet. Die Idee: Ein PayPal-Konkurrent, direkt ans Girokonto angebunden, ohne Drittanbieter. Kwitt war ein Peer-to-Peer-Zahlungsdienst der Sparkassen, mit dem man Geld an Freunde senden konnte – ähnlich wie heute mit Wero. Und Giropay existierte seit 2006 als Online-Überweisungssystem.

Jedes dieser Produkte löste ein anderes Problem, sprach eine andere Zielgruppe an und hatte seine eigene technische Infrastruktur. Paydirekt war für Online-Shopping gedacht, Kwitt für private Geldtransfers, Giropay für direkte Banküberweisungen an Händler. Die Fusion 2021 sollte die Stärken bündeln – stattdessen vervielfachte sie die Komplexität. Plötzlich musste ein System drei verschiedene Nutzungsszenarien abdecken, drei verschiedene technische Architekturen zusammenführen und drei verschiedene Markenidentitäten kommunizieren. Ich habe selten ein Projekt gesehen, das von Anfang an so überfrachtet war wie dieses.

Im Sportwetten-Bereich war die Fusion besonders irrelevant. Paydirekt war bei kaum einem Wettanbieter als Zahlungsmethode verfügbar – die Akzeptanz war minimal. Kwitt hatte mit Sportwetten überhaupt nichts zu tun, weil es nur für Privatüberweisungen konzipiert war. Und Giropay, das einzige der drei Produkte mit nennenswerter Präsenz bei Buchmachern, funktionierte nach der Fusion genauso wie vorher. Für Sportwetter hat sich durch die Zusammenlegung nichts verändert – sie war ein internes Bankenprojekt ohne Auswirkung auf den Alltag der Kunden. Nicht ein einziger Wetter hat davon profitiert, und nicht ein einziger hat es bemerkt.

Warum die Fusion den Marktanteil nicht rettete

Die Markenbekanntheit von Giropay lag in Deutschland bei 78 %, hinter PayPal mit 95 %. Paydirekt lag deutlich darunter. Die Fusion hätte diese Bekanntheitswerte zusammenführen sollen, aber das Gegenteil passierte: Die Verwirrung wuchs. Kunden wussten nicht, ob Paydirekt und Giropay jetzt dasselbe sind oder nicht. Die Kommunikation war unklar, die Markenführung widersprüchlich.

Giropay hatte im deutschen E-Commerce zuletzt nur noch 0,4 % Umsatzanteil. Selbst mit Paydirekt zusammen änderte sich an diesem Anteil wenig. Das Problem war nicht die Markenarchitektur, sondern das Produkt selbst. Giropay bot keine Auszahlungen an, hatte keine eigene App, kein Kundenkonto und keine Zusatzfunktionen jenseits der reinen Überweisung. PayPal dagegen bot Käuferschutz, Ein-Klick-Zahlung, internationale Akzeptanz und eine nahtlose mobile Erfahrung. Die Fusion dreier limitierter Produkte ergab kein unlimitiertes – sie ergab ein größeres limitiertes Produkt.

Die dpa fasste es nüchtern zusammen: Giropay habe die hohen Erwartungen als PayPal-Konkurrent nie erfüllt. Die 1,6 Milliarden Euro Zahlungsvolumen klingen nach viel, bis man sie in den Kontext stellt. Der deutsche E-Commerce-Nettoumsatz lag 2023 bei gut 85 Milliarden Euro. Giropay bewegte davon weniger als 2 % – ein Randphänomen in einem Markt, den andere längst dominierten.

Was der Sportwetten-Markt daraus lernen kann

Die Geschichte von Giropay und Paydirekt ist keine reine Zahlungsverkehr-Anekdote. Sie enthält eine Lektion, die für den gesamten Sportwetten-Zahlungsmarkt relevant ist: Zahlungssysteme scheitern nicht an der Technik, sondern an der Relevanz. Und Relevanz entsteht nicht durch Fusionen, sondern durch ein Produkt, das Kundenbedürfnisse besser erfüllt als die Konkurrenz.

Giropay war technisch solide. Die Verschlüsselung war stark, die Zahlungsgarantie zuverlässig, die Einzahlungsgeschwindigkeit hervorragend. Aber all das nützte nichts, weil die Nutzer andere Optionen bevorzugten, die mehr boten. Im Sportwetten-Markt bedeutet das: Eine Zahlungsmethode muss nicht perfekt sein – sie muss den gesamten Zahlungskreislauf abdecken, mobil funktionieren und bei genug Anbietern verfügbar sein. Giropay erfüllte nur den dritten Punkt, und selbst das nur eingeschränkt. Die Fusion mit Paydirekt und Kwitt hat daran nichts geändert – drei Einbahnstraßen ergeben keine Autobahn.

Für österreichische Sportwetter ist die Geschichte auch eine Warnung: EPS ist die dominierende Banking-Methode in Österreich, aber auch EPS bietet keine Auszahlungen und keine eigene App. Die Parallelen zu Giropay sind offensichtlich. Der Unterschied liegt in der Marktdurchdringung – EPS ist in Österreich tief verankert und hat keine vergleichbare Konkurrenz durch ein nationales E-Wallet. Aber die Lehre bleibt: Wer sich auf eine Zahlungsmethode verlässt, die nur die Einzahlung abdeckt, braucht immer einen Plan B für die Auszahlung.

War Paydirekt je bei Sportwetten verfügbar?

Paydirekt war bei sehr wenigen Wettanbietern als Zahlungsmethode verfügbar. Die Akzeptanz im Sportwetten-Bereich war minimal, da Paydirekt primär für den allgemeinen Online-Handel konzipiert war. Nach der Fusion mit Giropay und Kwitt im Jahr 2021 änderte sich daran nichts.

Was passierte mit dem Paydirekt-Konto nach der Einstellung?

Paydirekt-Konten wurden mit der Abschaltung zum 31. Dezember 2024 deaktiviert. Es gab kein Guthaben auf Paydirekt-Konten, da der Dienst direkt mit dem Girokonto verknüpft war. Die Paydirekt GmbH als Betreiber wird im Laufe von 2025 abgewickelt. Dein Bankkonto und dein Geld sind davon nicht betroffen.